1911   Kaplan Bischofs von der Kirche St. Mariä Himmelfahrt hält der erste Gottesdienst für die Gehörlosen in Essen und Umgebung.

1912   Mit diesen Gottesdienstbesuchern gründete er den katholischen Taubstummenverein EPHETA. Erster Vorsitzender wird Franz Natrop. Direktor Stepphuhn von der Gehörlosenschule Essen unterstützt den Verein, die Gottesdienste sind im Marienhaus auf der Schützenbahn, die Versammlung in der Wirtschaft Spahn am Steeler Tor.

1914   Bernhard Hohenbild wird neuer 1. Vorsitzender. In der Kriegs- und Nachkriegszeit helfen die Taubstummen-Oberlehrer Herr Schlüter und seine Kollegin Frl. Berndes durch Vorträge und Anleitungen die Nöte zu überwinden.

1921   Nach der Versetzung von Kaplan Bischofs wird Studienrat Steinbach vom Burggymnasium neuer Gehörlosenseelsorger. Die Versammlungen waren im oberen Saal des Kolpinghauses. Inflation und Besetzung durch die Franzosen beeinträchtigten aber das Vereinsleben.

1927   Verein blüht auf. Wilhelm Cammans wird 1. Vorsitzender und Kaplan Koch von der Josefkirche neuer Seelsorger. Präses und vorstand organisieren mehrere Veranstaltungen.

1928   Der bekannte Gehörlosen-Religionslehrer Peter Blanke aus Köln hält im Obladenkloster in Essen-Borbeck die ersten Exerzitien für Gehörlose. Es gab großen Zulauf. Seitdem gibt es jedes Jahr Gehörlosenexerzitien. Direktor Steppuhn wird wegen seiner Verdienste Ehrenvorsitzender.

1930   Der Verein hat über 100 Mitglieder. Die Monatsversammlungen werden im Zeichensaal der Gehörlosenschule abgehalten. Auch der neue Direktor der Gehörlosenschule Herr Jakobs unterstützt die Gehörlosen und ihren Seelsorger. ER ist ein Bruder des berühmten Pfarrers Jakobs aus Mülheim. (Kaplan Bruno Mergen ist durch sie Gehörlosenseelsorger geworden.)

1934   Der neue Gehörlosenseelsorger Kaplan Rönz musste die katholische Gehörlosenseelsorge durch die Hitlerzeit retten. Die Vereinsarbeit wird unterdrückt, der Verein gleichgeschaltet und in den nationalsozialistischen Ortsbund eingegliedert. Kaplan Rönz kann aber die religiösen Veranstaltungen weiterführen. Die Gehörlosen bleiben treu.

1943   ein Bombenangriff auf Essen am 5. März zerstört das Marienhaus mit dem Gottesdienstraum der Gehörlosen. Die Gottesdienste fallen darum in den nächsten Monaten aus. Aber schon im Oktober sammelt der neue Gehörlosenseelsorger, Kaplan Abs, die Taubstummen von Essen und Oberhausen. Neuer Treffpunkt ist das Haus Nazareth in der Beethovenstraße. Die Beköstigung nach dem Gottesdienst ist sehr ärmlich. Jeder bringt zum Mittagessen 25 g Fleisch oder 20 g Fettmarken mit.

1945   Nach dem Krieg war der Weg wieder frei für einen eigenen katholischen Gehörlosen-verein. Die Hungersnot ist aber zu groß. Es bleibt drei Jahre beim Gehörlosen-Gottesdienst. Direktor Schlüter hilft dem Präses.

1946   Kaplan Meininghaus löst Kaplan Abs ab. Er verlegt den Gottesdienst mit geselligem Beisammensein in das Franz-Sales-Haus an der Steeler Straße. Er bereitet den Gehörlosen zu Weihnachten einen reichen Gabentisch. Freilose verhalfen in der knappen zeit zu wertvollen Sachen. Die Spielgruppen des Franz-Sales-Hauses erfreuten die Teilnehmer.

1948   Neugründung des Katholischen Gehörlosenvereins „EPHETA“. 1. Vorsitzender ist Johann Heinrich. Zum Vorstand gehören Frl. Höfer, Herr Brunnert, Herr Großbröhmer, Frau Heinrich und Frl. Zensen. Direktor Schlüter und Taubstummenoberlehrer Wiechmann helfen dem Verein auf die Beine. Der Vorstand veranstaltet belehrende Versammlungen, erlebnisreiche Ausflüge und Feiern.

1953   Kaplan Speen wird neuer Gehörlosenseelsorger. Er hatte vorher schon in Mülheim/Ruhr mit Gehörlosen zusammen gearbeitet. Als Religionslehrer an der Gehörlosenschule warb er junge Gehörlose für den Eintritt in den Verein. Als er Pfarrer v0n St. Bernhard in Essen-Vogelheim wird, verlegt er den Gottesdienst mit Versammlung in seine Pfarrgemeinde.

1958   Essen wird Bischofsstadt. Der neue Bischof, Dr. Hengsbach bestellt einen Diözesan-Gehörlosenseelsorger. In Essen finden gewöhnlich die Konferenzen der Gehörlosenseelsorger und die Bildungstage für Gehörlose statt. Die Essener Gehörlosen können leicht daran teilnehmen. Das Vereinsleben bekommt einen Aufschwung. Der Vorsitzende Johann Heinrich wird Diözesan-Obmann.

1971   Kaplan Speen stirbt plötzlich. Sein Nachfolger wird der Diözesan-Gehörlosenseelsorger Dr. Hugo Kramer aus Gelsenkirchen. Der Gehörlosengottesdienst ist wieder im Franz-Sales-Haus, die Versammlung im gegenüberliegenden Pfarrheim der Bonifatius-Pfarrei.

1972   Das 60-jährige Stiftungsfest des Vereins zeigt die Verbundenheit mit Bischof und Gehörlosenschule. Friedrich Großbröhmer wird neuer Vorsitzender. In den folgenden Jahren wird die Vereinsarbeit mehr und mehr ergänzt durch Diözesanveranstaltungen (bildungs- und Besinnungstage) und durch überdiözesane Unternehmungen (Ferienreisen, Altenerholungen, Wallfahrten und Vorstandsschulungen des katholischen Verbandes der Gehörlosen Deutschlands).

1985   Als Pfarrer Dr. Rentmeister nach Dahl versetzt wird, kommt Pfarrer Heinrich Henkst als Nachfolger. Diakon Holtkamp half ihn in der Gehörlosenseelsorge. Die Gottesdienste finden weiter in der Kirche St. Michael statt.

1994   Pfarrer Heinrich Henkst wird zum Krankenhausseelsorgerin Bochum ernannt. Pfarrer Bernhard Görge übernimmt den Gehörlosenverein Epheta Essen. Als Religionslehrer in der Rheinischen Landesschule für Gehörlose tauft und führt er gehörlose Schülerinnen und Schüler zur ersten heiligen Kommunion in der St. Michaelskirche, die nur 10 Minuten Fußweg von der Schule entfernt liegt.

1995   spendet Weihbischof Franz Grave gehörlosen Schülerinnen und Schüler das heilige Sakrament der Firmung. Zur Firmung in „seiner“ Kirche wird der Verein eingeladen.

2010   In diesem Jahr wurde das Hörgeschädigtenzentrum im Bistum Essen gegründet. Das vergangene Jahr hat für unsere Gehörlosenvereine und auch die Gehörlosenseelsorge im Bistum Essen einige Veränderungen gebracht. Da wir im Bistum essen nur noch wenige Gehörlosenseelsorger haben, findet jeden 2. Sonntag im Monat zentrale Gottesdienste statt. Anschließend ist Begegnung im Hörgeschädigtenzentrum St. Michael und am 1. und 3. Mittwoch im Monat Gehörlosentreff im Gemeindesaal St. Michael.

2012   Der Verein ist schon 100 Jahre alt. Kirche und Pfarrheim liegen verkehrsmäßig günstig in der Nähe des Essener Hauptbahnhofs. Die Gottesdienste und Versammlungen finden am vierten Sonntag im Monat statt.

Wir danken, dass wir in St. Michael immer liebevoll aufgenommen werden.

Der Verein hat sich als Selbsthilfeverein bewährt, indem er Gehörlosen die Gemeinschaft untereinander geben, die sie brauchen, um gegenseitige Hilfe, Ratschläge und Lebensfreude zu bekommen.